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Der Einfluss von Erziehungsstilen auf die Entwicklung von Motivdiskrepanzen

Projektleiter:

Kaspar Schattke (TUM), Richard Koestner (McGill University), Hugo M. Kehr (TUM)

Projektbeschreibung:

Implizite Motive (unbewusst, affektiv repräsentiert) und explizite Motive (bewusst, kognitiv repräsentiert) können voneinander abweichen und werden dann als Motivdiskrepanzen bezeichnet (z.B. Thrash et al., 2010). Motivdiskrepanzen sind assoziiert mit geringerem emotionalen Wohlergehen (z.B. Brunstein et al. 1998; Kehr, 2004) und vermehrten psychologischen Symptomen (Baumann et al. 2005). Motivkongruenz beeinflusst die Entwicklung des Selbstkonzeptes wiederum positiv (Hofer et al. 2006).
Weiterhin deuten vorherige Forschungsbefunde darauf hin, dass dispositionale Selbstbestimmtheit (Trait Self-Determination), welche generalisierte Selbstbewusstheit und willentliche, freie Handlungen beinhaltet, die Kongruenz von impliziten und expliziten Motiven moderiert (Thrash & Elliot, 2002; Thrash et al., 2010). Wir erwarten, dass frühe Kindheitserfahrungen, welche der Entwicklung von Selbstbestimmtheit entgegenwirken, mit späterer Motivdiskrepanz assoziiert sein sollen.
Motivdiskrepanzen werden als Abweichungen zwischen impliziten und expliziten Maßen des Leistungs-, Macht- und Anschlussmotivs operationalisiert. Eine erst Studie nutzte längsschnittliche Archivdaten, um die oben genannten Annahmen empirisch zu prüfen. Die Ergebnisse legen nahe, dass Motivdiskrepanzen im Erwachsenenalter entstehen, wenn in der Kindheit die basalen Bedürfnisse nach Autonomie und sozialer Eingebundenheit von der Mutter verletzt wurden. Genauer betrachtet traten Motivdiskrepanzen im Erwachsenenalter besonders in Familienkontexten auf, in denen (1) die Mutter in kritischen Bindungsphasen nicht verfügbar war (soziale Eingebundenheit), (2) die Mutter die sexuellen Impulse und (3) das Bedürfnis des Kindes nach Nähe unterbunden hat (Autonomie) und (4) die Familie nicht in der Lage war, eine harmonische Familienumgebung herzustellen (soziale Eingebundenheit)(Schattke et al., 2010). In weitere Untersuchungen werden diese Zusammenhänge und deren Moderatoren und Mediatoren genauer untersucht.